Unesco-Liste: Hamburg hofft auf Welterbe-Titel

Unesco-Liste: Hamburg hofft auf Welterbe-Titel

Sie müssen einzigartig sein und von universalem Wert: Drei deutsche Stätten sind im Rennen um den wichtigsten internationalen Titel für Denkmäler. Große Hoffnungen auf die Unesco-Ehrung kann sich aber wohl nur ein Bewerber machen.
Die Hamburger Speicherstadt, der Naumburger Dom mit der Saale-Unstrut-Region und zwei Wikingerstätten in Schleswig-Holstein sind im Rennen: Die Unesco berät in diesen Tagen, ob Deutschland bald um einige Welterbestätten reicher ist. Im Bonner World Conference Center diskutieren Vertreter aus 21 Ländern über insgesamt 36 internationale Bewerbungen um die weltweit wichtigste Auszeichnung für Denkmäler und Naturregionen. Die Entscheidungen werden am Sonntag erwartet.

Die besten Aussichten unter den deutschen Kandidaten räumen Experten der historischen Hamburger Speicherstadt im Hamburger Hafen und dem gegenüberliegenden Kontorhausviertel mit dem Chilehaus ein. Der Internationale Rat für Denkmalschutz (Icomos) hat die Hamburger Stätten für die Welterbeliste empfohlen. Die internationale nichtstaatliche Organisation berät das Unesco-Komitee, allerdings sind seine Gutachten nicht bindend.
Eine weniger gute Prognose hingegen hat der Naumburger Dom mit den berühmten zwölf Stifterfiguren des namentlich unbekannten Naumburger Meisters. Zwar zählt die viertürmige Kathedrale in Sachsen-Anhalt zu den bedeutendsten Denkmälern aus dem europäischen Hochmittelalter, dennoch hat sich Icomos gegen die Aufnahme des Doms und der umliegenden Kulturlandschaft an den Flüssen Saale und Unstrut ausgesprochen. Die Stätte sei «nicht zur Einschreibung» empfohlen. Entscheidende Kriterien für die Aufnahme auf die Liste sind die Einzigartigkeit, die historische Echtheit und die Unversehrtheit einer Stätte.

Die Wikingerstadt Haithabu, ein früheres Handelszentrum der Nordmänner, und die Verteidungswälle von Danewerk in Schleswig-Holstein sind Teil einer nordeuropäischen Sammelbewerbung. Unter isländischer Führung sollen mehrere Stätten der Wikingerkultur den Sprung auf die Welterbeliste schaffen.

Über mangelnde Präsenz auf der Unesco-Welterbeliste kann sich Deutschland nicht beklagen. Insgesamt dürfen 39 hiesige Stätten den begehrten Titel tragen. Der Aachener Dom ist seit 1978 das erste deutsche Welterbe. Zuletzt wurden 2014 das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey in Höxter auf die Liste gesetzt.
Insgesamt umfasst die Welterbeliste derzeit 1007 Denkmäler, historische Orte oder Landschaften in 161 Ländern. Kritisch sieht die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokowa, das westliche Übergewicht. «Wir erkennen voll und ganz an, dass eine geografische Balance fehlt», sagte sie vor Beginn der Tagung in Bonn. Allerdings seien in Sachen künftiger Ausgewogenheit bereits Fortschritte erzielt worden. In Afrika werden mehr Experten ausgebildet, um bei dem aufwendigen und kostspieligen Bewerbungsverfahren Vorschläge machen zu können.
Allein Hamburgs aktuelle Speicherstadt-Bewerbung umfasst unter anderem einen 300-seitigen Antrag, einen 96-seitigen Managementplan, das 120-seitige «Speicherstadt Hamburg Entwicklungskonzept» und zahlreiche Karten und Dokumente.

Während weltweit 36 Kandidaten der Entscheidung des Welterbekomitees entgegenfiebern, ist die Verwüstung antiker Stätten im Irak und in Syrien ein trauriges Kapitel. Die amtierende Präsidentin des Unesco-Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), verurteilte die gezielte Zerstörung von Kulturstätten durch den Islamischen Staat als Kriegsverbrechen.

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