Erklärbücher kämpfen in deutschen Regalen um Verkaufszahlen

Erklärbücher kämpfen in deutschen Regalen um Verkaufszahlen
„Seit der Krim-Krise ist die Nachfrage nach Büchern, die Russland erklären, stark gewachsen“, sagt eine Düsseldorfer Buchhändlerin mit Lesebrille auf der Nase. In den Regalen deutscher Buchhändler ist ein regelrechter Kampf um die Deutungshoheit über Russland entbrannt. Sie haben zwar prinzipiell die gleiche Zielgruppe – Menschen, die sich für das Land interessieren. Doch das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten. Vielmehr geht es bei der Wahl der Lektüre meist um die Entscheidung: Putin-Verächter oder Russland-Versteher?

Das zeigt sich deutlich an zwei Werken: auf der einen Seite Boris Reitschusters „Putins Demokratur. Ein Machtmensch und sein System“ und auf der anderen Seite Gabriele Krone-Schmalz „Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westes“.

Die Titel sind Programm: Reitschuster kritisiert Russlands politisches System scharf und sieht die Geschehnisse auf der Krim vor einem Jahr als „Aggression Putins“. Die Ex-TV-Journalistin und Historikerin Krone-Schmalz hingegen bemängelt vor allem die Berichterstattung der deutschen Medien in der Ukrainekrise und wirbt für Verständnis für das russische Gefühl einer Bedrohung durch die NATO.

Zwischen den Bücherwänden stehend berichtet ein anderer Verkäufer: „Momentan wird eher nach ‘Russland verstehen’ gefragt, letztes Jahr vor allem ‘Putins Demokratur’. Nach Krim und Ostukraine kaufen viele diese Bücher.“ Das war möglicherweise Reitschusters Überlegung, als der ehemalige Leiter des Moskau-Büros des „Focus“ seine Putin-Kritik im Mai 2014 in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erneut auf den Markt brachte. Ursprünglich war sie 2006 mit dem Zusatz „Wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt“ erschienen.

Krone-Schmalz hingegen ist mit ihrer Publikation von März zeitlich dem Konflikt in der Ostukraine näher. Buchbesprechungen und TV-Auftritte hätten zur Bekanntheit der „Frau mit der Ingo-Appelt-Frisur“ beigetragen, sagt der Verkäufer grinsend. Daran, dass jemand beide Bücher erworben hat, kann er sich nicht erinnern.

Verkaufszahlen will Reitschusters Verlag nicht preisgeben. Krone-Schmalz Verlag hingegen gibt an, bislang rund 85000 Exemplare abgesetzt zu haben. Die Bestseller-Listen zeigen, dass die Bücher eine große Leserschaft finden: Bei den „Spiegel-Bestsellern“ lag Krone-Schmalz zu Redaktionsschluss auf dem zweiten Platz. Reitschuster war auf der Liste im Sommer ebenfalls über Monate vertreten, erreichte aber als beste Platzierung den 17. Rang in der Kategorie „Paperback Sachbuch”. Auf dem Titel wird mit dem Siegel „Spiegel-Bestseller” geworben.

Bemerkenswert beim Blick in die Russland-Regale mit einer Vielzahl weiterer Werke ist zudem, dass die Autoren häufig Journalisten sind und Putin oft Teil des Titels, Covers oder Thema ist.

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